HEALTH TANK BEIM KONGRESS MEDITATION & WISSENSCHAFT IN BERLIN 1. Tag

by Corinna Knauff

Es gab Bananen und Äpfel. Kuchen gab es keinen. Aber Brezeln und Wein am Abend. Das war das kulinarische Begleitprogramm des Kongresses Meditation & Wissenschaft.  Wissenschaftler, Zen-Buddhisten und Top-Management trafen sich in Berlin, um die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in Sachen Meditation und Achtsamkeit miteinander auszutauschen. Und HEALTH TANK war dabei!

 

Der wissenschaftliche Auftakt gehörte der sympathischen Dr. Britta Hölzel, ihres Zeichens Psychologin und Neurowissenschaftlerin, Technische Universität München. Sie untersucht, wie sich Meditation und Achtsamkeit auf das Gehirn direkt auswirkt. Britta Hölzel macht einen besonnenen und integren Eindruck und da passte es, dass sie uns nicht nur auf den neuesten Stand der Neurowissenschaften, sondern zugleich auf den Erdboden der Tatsachen brachte. Ihr Fazit: Bei allem Hype, den die Forschungsergebnisse der Neurowissenschaft derzeit in den Medien auslösen - sie sind noch nicht eindeutig. Die Zahl der Forschungsarbeiten sind bisher zu gering und Verallgemeinerungen über verschiedene Praktiken nicht möglich. Es gibt nach zwar Achtsamkeitstrainings deutliche, messbare Veränderungen im Gehirn (U. a. sinkt die Reaktivität der Amygdala – unseres Fight-und Flight-Centers. Die Aktivierung des präfontalen Cortex steigt und die Zusammenarbeit beider Regionen wird gestärkt. Die Dichte des Hippocampus nimmt zu). Doch das Gehirn ist zu komplex für einfache Rückschlüsse auf Emotion und Kognition. Trotzdem lässt sich mit gutem Gewissen sagen, dass die Ergebnisse hochinteressant sind und Anlass zum Optimismus geben.

 

Der nächste Vortragende war Prof. Dr. Thilo Hinterberger (Angewandte Bewusstseinswissenschaften, Abteilung für Psychosomatische Medizin, Universitätsklinikum Regensburg), ein wunderbar leidenschaftlicher Wissenschaftler, der nach seinen Forschungen sagen kann: Der Meditierende macht weniger Fehler und verbessert sein Exekutivfunktionen. Um noch mehr von dem Vortrag von Herrn Hinterberger wiedergeben zu können, hätte ich sehr, sehr lange googlen müssen. Daher beschränke ich mich hier auf die Exekutivfunktionen: Das sind höhere, kognitive Leistungen, die uns helfen, unser Verhalten zu steuern, Aufgaben zu planen und Probleme zu lösen.

 

In der Podiumsdiskussion ging es um die Fragen, wie viel Meditation das Business verträgt - und wie viel Business die Meditation. Und jetzt kam auch das Top-Management zu Wort:

Peter Terium, CEO innogy S.E. meinte, dass es mit Meditation am Arbeitsplatz genauso wäre, wie bei einem Löffelchen Rotkohl. Man kann nicht sagen, das schmeckt nicht, ohne es je probiert zu haben. Er betonte, dass man nur leisten und arbeiten kann, wenn der Körper funktioniert.

Erich Harsch, der Vorstandsvorsitzende von DM meditiert nicht. Dass er trotzdem mit dabei war, liegt sicher daran, dass seine Vorstellung von Unternehmenskultur und Business eine humane und zudem sehr erfolgreiche ist. Er stellte sich deutlich gegen die weit verbreitete Eigennutz-Perspektive. Für ihn zählt allein die Zufriedenheit des Kunden. Erfolg würde sich so automatisch einstellen.

Mounira Latrache, SIY Programm, Google sprach von der Begeisterung der Google-Mitarbeiter  für Mindfulness, und dass es bei Achtsamkeit um nicht weniger als den Weltfrieden ginge. Hier hätte ich gerne nachgehakt…

Bei der Frage, wie Achtsamkeit in Unternehmen eingeführt werden könne, gab es verschiedene Blickwinkel:

Peter Bostelmann, Director, SAP Global Mindfulness Practice sprach davon, dass zwar Vorbildfunktion wichtig sei, dass die Entwicklung aber auch von unten komme könne. Nach seiner Erfahrung, werden Führungskräfte wach, wenn eine bestimmte kritische Masse erreicht ist. Die Mindfulness Practice gibt es inzwischen an 25 SAP-Standorten!

Peter Terium warf ein, dass in existenziellen Krisen, in denen es schnell gehen muss, die Top-Down-Methode angesagt wäre. Seine Empfehlung: Mindfulness als Hilfestellung, um  Zeiten der Verunsicherung bewältigen zu können.

 

Der Abschluss des Tages lag in Jon Kabat Zinns Händen und wie sagt man doch gleich: Das Beste kommt zum Schluss! Prof. Dr. Jon Kabat Zinn ist Prof. em. für Medizin an der University of Massachusetts war aus den Staaten per Video zugeschaltet und sprach über Achtsamkeit als wirkliche Humanität. Im Anbetracht des großen Leidens auf dieser Welt, das von Menschen selbst gemacht ist , wie etwa der Klimawandel oder Atomkraft, und dem die Menschen als erstes zum Opfer fallen werden, war sein Rat an uns und ein motivierendes Schlusswort des ersten Tages: „Get your ass on the cushion!“